Sage über den Ortsnamen Warbeyen

 

Wo hat das Paradies gelegen?

So fragt man oft und weiß nicht wo,

und sucht es auf entlegnen Wegen,

Und findet es doch immer so.

 

Liegt aber oft sehr nah das Wahre,

wie manniglich dies ist bekannt

so grenzt es doch ans Wunderbare,

daß mancher Mann mit viel Verstand

um sonst zu suchen sich bemüht,

was er in nächster Nähe sieht.

 

So hat denn jüngst mit schlichtem Worte

Mir auch bewiesen scharf und klar

Ein Bäuerlein, das just am Orte

Bei ihm das Paradies einst war,

„Ihr wißt es“ sprach’s „und habt’s gelesen,

daß Adam nach den Sündenfall,

als er verführt war von dem Bösen,

vom Herrn gesucht ward überall“.

 

Erfüllt von Schamgefühl und Schrecken

Befürchtet er nun Gottes Zorn,

und kroch deshalb sich zu verstecken,

schnell unter einen Schlehendorn.

 

Gott aber, um nicht lang zu warten

Und ihm die Strafe zu verleihn,

rief in des Paradieses Garten:

„War bey je, Adam“ laut hinein.

 

„War bey je, Adam“, rief er wieder,

der aber kroch scheu hervor

und warf vor seinem Herrn sich nieder

der Herr jedoch nahm ihm beim Ohr.

Und jug ihn flugs, wie euch bekannt,

vom Platze fort mit Schimpf und Schand.

 

Der Ort jedoch, wo dies gewesen,

gewiß, es kann kein andrer sein,

und steht’s auch nirgends sonst zu lesen,

als unser kleines Dorf Warbeyen.

 

Nicht weit von Hollands Grenze liegt es,

und was sein Name sagt, nicht trügt es.

„War bey je, Adam“ rief zur Zeit der Herr,

so heißt es auch noch heut.